Skulpturen von Christine Mayr

Sie kommen irgendwie kindlich daher, aber auch als Gezeichnete, zum Erwachsensein Gedrängte, Gezwungene.
Da ein embryonaler Greis, dort ein freches Kind, das die Zunge zeigt.
Die Gestalten stehen, sitzen, hocken, klettern an Wänden hoch und drücken Widersprüchliches aus:
Erstaunen, Erschrecken, Spott, Weisheit, Gelassenheit, Erlösung…
Mayrs Skulpturen enthalten auch autobiographische Elemente.
In zahlreichen Gesichtern kommt ihr eigenes zum Vorschein.
Manche sind mehr, manche weniger bekleidet, viele nackt.
Die Bemalungen erinnern an ägyptische Grabskulpturen.

Obwohl die Körper sehr realistisch gestaltet sind,
haftet ihnen, in dem Mayr Gliedmaßen häufig ungewöhnlich dreht
oder dehnt, etwas Gequältes an.
Körper und Physiognomie ergeben mitunter eine Disharmonie,
die eine groteske Spannung erzeugt, wenn beispielsweise junge Körper erfahrene Gesichter tragen.
Männlich, weiblich, androgyn – unwichtig.
Allgemein menschliche Erfahrungen und Zustände kennen kein Geschlecht.

Manchmal deutet Mayr Glücksmomente an, wenn sie Paare darstellt.
In Vereinigungspositionen vermitteln sie eine zaghafte Vorstellung, dass sie möglich wären.
Meist wird dieser Eindruck als Illusion entlarvt, konterkariert
durch die Mimik der Beteiligten.

Wenn man alle Objekte überblickt, tritt eine innere Unschuld zutage, mitunter auch durch die farblichen Elemente symbolisiert,
die als eine Art von unbestimmter Hoffnung den Skulpturen
eine anziehende Lebendigkeit verleiht.

Edgar Grubich, 4.Sept.2005